Abgrenzung im Job

Wenn ein „NEIN“ zum „JA“ wird…

Viele Beschäftigte arbeiten auch ohne Anweisung bis spätabends und am Wochenende, gehen krank zur Arbeit, verzichten auf Pausen und sind ständig erreichbar. Für Erholung, Hobbys, Freunde und Familie bleibt ihnen dadurch wenig Zeit. Warum tun sie das? Sie benehmen sich wie selbständige Unternehmer, bei denen nur der Erfolg die berufliche Existenz sichert. Wer sich gedanklich nicht von seiner Arbeit lösen kann, der leidet eher an Schlafstörungen, Erschöpfung und anderen Belastungssymptomen. Doch stopp! Wem es gelingt, Gedanken an die Arbeit nach dem Feierabend aus dem Kopf zu verbannen und von seiner Rolle im Job Abstand zu nehmen, der leistet im Beruf mitunter mehr. Kurz, wer sich abgrenzen kann, der arbeitet anschließend besser.

Bei der Abgrenzung geht es darum, die eigenen Grenzen zu bestimmen und zu definieren, selbst zu entscheiden, wie weit man gehen möchte. Denn jeder Mensch hat solche Grenzen, allerdings sind diese nicht allgemein gültig, sondern individuell. Und es ist gar nicht so leicht standhaft zu bleiben, wenn andere Menschen sich über die eigenen Grenzen hinwegsetzen. Das kann dann passieren, wenn man die eigenen Grenzen nicht kennt, oder sie zwar kennt, aber nie klar artikuliert hat. Die eigenen Grenzen nicht zu kennen kann beispielsweise bedeuten, dass man die zigste Zusatzschicht in diesem Monat übernimmt, obwohl man eigentlich schon seit Wochen urlaubsreif ist. Das Gefühl der Müdigkeit wird einfach beiseite geschoben und man nimmt seine eigenen Bedürfnisse nicht ernst.

Doch warum fällt uns die Abgrenzung im Job häufig so schwer? Neben persönlichen Voraussetzungen wird vor allem die geschlechtsspezifische Erziehung dafür verantwortlich gemacht. Frauen haben gefälligst eine soziale Ader zu haben, das heißt, sie müssen sich kümmern, hilfsbereit, nett und freundlich sein. Demgegenüber wird allzu energisches Auftreten tendenziell als unweiblich betrachtet, Höflichkeit und Bescheidenheit hingegen gefördert. Bei Männern liegt es häufig daran, dass sie oftmals nicht fähig sind, sich ihre eigenen Grenzen zu stecken und ein schlechteres Gespür dafür haben, wann ein gewisses Limit erreicht ist. Das führt im Umkehrschluss zu Problemen, wenn sich diese Personen abgrenzen wollen. Hauptsache, die Aufgaben werden erledigt.

Mitarbeiter werden heutzutage in ihrer Arbeit weniger stark kontrolliert, sondern eher am Ergebnis gemessen, etwa an der Erreichung von Zielen. Sie müssen die fachliche Arbeit qualitativ hochwertig erledigen und gleichzeitig darauf achten, dass sich diese für den Betrieb rentiert. Es zählt nicht mehr der persönliche Einsatz der Beschäftigten, sondern nur noch das Ergebnis. Wie der Mitarbeiter die oft hohen Ziele erreichen sollen, bleibt meist unberücksichtigt. Diese Bedingungen fordern eine klare Haltung, nämlich zu sich selbst. Denn nur durch ein klares Nein stellt man sicher, dass dieses auch akzeptiert wird. Jedes Nein sollte immer auch ein bewusstes Ja beinhalten – und zwar zu den eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Wenn wir also unsere Bedürfnisse nicht ernst nehmen, wie und wieso sollte es dann unser Umfeld tun?

Viele definieren sich durch ihren Beruf und suchen die Bestätigung in ihrer Arbeit. Heutzutage ist man regelrecht dazu verpflichtet zu verkünden, dass einem der Beruf irrsinnig viel Spaß macht. Wir sollten den Ball etwas flacher halten und akzeptieren, dass der Beruf manchmal auch einfach nur ein Broterwerb ist. Selbst Menschen, für die Beruf und Berufung dasselbe ist, müssen lernen, auch mal Nein zum Chef zu sagen. Ein nüchterneres Verhältnis zur Arbeit würde uns gut tun. Also dann: Ab in den Feierabend!

Wir bleiben am Ball…

Liebe Grüße, Christoph & Michael

2 Kommentare

  1. Lieber Christoph!
    Ich finde den Artikel super und hoffe, viele KollegInnen beherzigen deine Ratschläge!

    • Christoph Karl

      25. September 2018 at 20:54

      Hi, helga…da sich dieses problem durch fast alle branchen zieht, wäre es sehr wünschenswert, wenn da jede(r) mitzieht. danke fürs feedback. Lg 😉

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